Motoröl verstehen: 5W-30, ACEA und Herstellerfreigaben

Auf einem Ölkanister stehen mehr Kürzel als auf manchem Beipackzettel. Wichtig sind drei Angaben: die Viskosität, die ACEA-Klasse und die Freigabe des Fahrzeugherstellers. Wer sie kennt, greift zum richtigen Öl und vermeidet teure Fehler.

Arbeit am Heck eines Porsche 911 in unserer Werkstatt

Kurz gesagt

  • Die Viskosität wie 5W-30 beschreibt, wie dünnflüssig das Öl bei Kälte und bei Betriebstemperatur ist.
  • Entscheidend ist die Freigabe des Fahrzeugherstellers. Sie steht in der Betriebsanleitung.
  • Motoren mit Partikelfilter brauchen aschearme Öle, sonst setzt sich der Filter zu.
  • Bei unserem Ölservice füllen wir hochwertiges Öl ein und tauschen den Ölfilter.

Die Viskosität: 5W-30 und Co.

Viskosität beschreibt, wie zäh eine Flüssigkeit fließt. Honig hat eine hohe Viskosität, Wasser eine niedrige. Motoröl soll beim Kaltstart dünn genug sein, um schnell alle Stellen zu erreichen, und bei 100 Grad dick genug, um einen tragfähigen Schmierfilm zu bilden.

Die Angabe nach der Norm SAE hat deshalb zwei Teile:

TeilBedeutungBeispiel 5W-30
Zahl vor dem WFließverhalten bei Kälte, W steht für Winter5: bleibt bei tiefen Temperaturen dünnflüssig
Zahl nach dem WViskosität bei Betriebstemperatur30: eher dünnflüssig im warmen Motor

Ein 0W-20 ist kalt und warm dünner als ein 10W-40. Moderne Motoren mit engen Toleranzen sind auf dünne Öle ausgelegt, ältere Motoren oft auf dickere.

Die ACEA-Klassen

Die Viskosität sagt nichts über die Qualität. Dafür gibt es die Klassen des europäischen Herstellerverbands ACEA. Sie beschreiben, was ein Öl leisten muss.

  • A und B: Öle für Benzin- und Dieselmotoren ohne besondere Anforderungen an die Abgasnachbehandlung
  • C: aschearme Öle für Motoren mit Partikelfilter und empfindlichen Katalysatoren

Asche entsteht, wenn Öl im Brennraum mitverbrennt. Sie lässt sich aus einem Partikelfilter nicht herausbrennen und setzt ihn mit der Zeit zu. Deshalb brauchen Autos mit Partikelfilter ein Öl der Klasse C.

Die Herstellerfreigabe zählt

Entscheidend ist die Freigabe des Fahrzeugherstellers. Jeder Hersteller testet Öle nach eigenen Vorgaben und vergibt dafür eine Norm. Beispiele sind VW 504 00 und 507 00, BMW Longlife-04 oder MB 229.51. Steht diese Norm auf dem Kanister, ist das Öl für den Motor geprüft.

Achte auf die Formulierung. Freigegeben nach bedeutet, dass der Hersteller das Öl geprüft hat. Formulierungen wie entspricht oder empfohlen für sind Aussagen des Ölherstellers.

So findest du das richtige Öl

  1. Betriebsanleitung aufschlagen: Im Kapitel Betriebsstoffe steht die geforderte Norm und die Viskosität.
  2. Norm auf dem Kanister suchen: Die Freigabe muss wörtlich auf dem Etikett stehen.
  3. Viskosität vergleichen: Sie muss zu den Angaben des Herstellers passen.
  4. Menge beachten: Die Füllmenge mit Filterwechsel steht ebenfalls in der Anleitung.

Bei unserem Ölservice brauchst du dich darum nicht zu kümmern. Du schickst uns Marke, Modell und Motor, wir nennen dir den Preis je nach Ölmenge.

Was passiert bei falschem Öl

  • Ein Öl ohne passende Freigabe kann den Partikelfilter zusetzen
  • Zu dickes Öl erreicht beim Kaltstart die Lagerstellen zu langsam
  • Zu dünnes Öl bildet in einem dafür nicht ausgelegten Motor keinen stabilen Schmierfilm
  • Bei flexiblen Wartungsintervallen altert ungeeignetes Öl vor dem nächsten Wechsel
  • Garantie und Kulanz können entfallen

Einmal versehentlich einen halben Liter falsches Öl nachzufüllen ist kein Drama. Dauerhaft sollte das richtige Öl im Motor sein.

Synthetisch oder mineralisch

Die meisten aktuellen Öle sind synthetisch oder teilsynthetisch. Sie bleiben bei Kälte dünner, vertragen Hitze besser und altern langsamer als mineralische Öle. Für moderne Motoren mit langen Intervallen sind sie Voraussetzung. Mineralische Öle findet man fast nur noch bei Oldtimern, deren Dichtungen und Motoren dafür gebaut wurden.

Öl und Wechselintervall

Jedes Öl verbraucht sich. Seine Zusätze bauen sich ab, es nimmt Ruß, Kraftstoff und Kondenswasser auf. Wann der Wechsel ansteht, steht im Beitrag Ölwechsel beim Auto. Wie du den Stand kontrollierst, erklärt der Beitrag Ölstand prüfen. Alle Preise findest du auf der Seite Ölservice.

Häufige Fragen

Was bedeutet 5W-30?

Die Zahl vor dem W beschreibt das Fließverhalten bei Kälte, je kleiner, desto dünnflüssiger bleibt das Öl beim Kaltstart. Die Zahl dahinter beschreibt die Viskosität bei Betriebstemperatur.

Kann ich statt 5W-30 auch 5W-40 einfüllen?

Nur wenn das Öl die Freigabe deines Herstellers trägt. Die Viskosität allein sagt nicht, ob ein Öl für deinen Motor geeignet ist.

Darf man Motoröle mischen?

Zum Nachfüllen im Notfall ja. Öle sind untereinander mischbar. Sinnvoll ist es, beim nächsten Ölwechsel wieder einheitlich das freigegebene Öl einzufüllen.

Wo finde ich die Freigabe für mein Auto?

In der Betriebsanleitung im Kapitel zu Betriebsstoffen oder technischen Daten. Dort steht eine Norm des Herstellers, zum Beispiel VW 504 00 oder MB 229.51.

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